Manuel Santiago Renken

somnia vendidi - Aus dem Leben eines Schauspielers und Sängers

teatro-recall

Abgelegt unter: Allgemein — 23. Juni 2009 um 23:05

teatro ZeltArrr… Heute morgen fällt mir das Aufwachen besonders schwer. Um sieben Uhr dreißig liege ich immer noch im Bett, obwohl ich eigentlich schon aufgestanden sein sollte. Gegen acht quäle ich mich aus den Decken, dusche, ziehe mich an und trinke einen Kaffee (Der Amarettosirup ist alle - was für eine Welt!). Kurz nach neun verlasse ich das Haus. Meine Gesangslehrerin erwartet mich um viertel vor zehn zum einsingen.

Es fällt mir dieses Mal schwerer als sonst - wie irgendwie alles heute. Es ist, als würde ich mich durch einen sehr zähen Quark bewegen. Es ist anstrengend und frustrierend. Meine Stimme ist nicht so geschmeidig wie sonst. "Der letzte Tanz" macht mir besondere Mühe. "You're timeless to me" geht gerade so, aber es ist nicht das Gleiche. Mein Gesangscoach versucht mir Tipps zu geben, aber alles was sie mir sagt macht die Sache noch verworrener.

Kurz nach elf breche ich zum Recall auf. Ich nehme den Kassettenrecorder mit, damit ich meine Playback-CD's abspielen kann. Wegen der unangenehmen Verwirrungen bin ich auch noch spät dran. Die U-Bahn bringt mich zum Marienplatz. Innerhalb von fünf Minuten renne, nein, fliege ich zum Platzl.  Als die Turmuhr zweimal schlägt erreiche ich die Bar. Sie ist leer. Ein Riesenschreck durchfährt mich, denn ich höre sie im Nebenraum singen. Scheiße! Trotz allergrößter Hast und einer exakt pünktlichen Landung bin ich zu spät. Unsicher betrete ich den Raum, sehe, daß circa zwanzig Leute zum recall eingeladen worden waren - hauptsächlich Frauen. Wir Männer sind in der Unterzahl. Gerade einmal fünf Herren halten sich im Raum auf und mein etwas schweres Herz frohlockt. Der Regisseur winkt mich hinein. Ich geselle mich zu den anderen und sehe, etwas gehetzt aber anwesend, in die Noten. Fast der gesamte Cast des letzten Jahres ist vertreten. Von den Männern fehlen nur  zwei. Der Regisseur  dirigiert den Alt durch seinen Part und kommt zum Tenor. Mein Herz setzt einen Augenblick aus als mir klar wird, das alle anwesenden Männer, einer ausgenommen, Tenöre sind.

Kurz: Wir singen den Opener der neuen Saison. "Be my guest" aus Disneys "Die Schöne und das Biest". Das Resultat ist, wie immer bei den teatro-Bearbeitungen, sehr komplex und schwierig, dafür aber klanglich traumhaft schön. Eine Soprankollegin, die letztes Jahr noch im Ensemble Frondienst leistete, ist zur Choreographin aufgestiegen und hat sich zur Melodie passend ein paar einfache Tanzschritte ausgedacht. Trotzdem kommen wir ins Stocken als nebenbei noch richtig gesungen werden muss. Naja, zumindest macht die Probe Spaß.

Leider bleibt ein fader Geschmack bei mir zurück, als ich gegen drei die Bar verlasse. Ich weiß das ich mich nicht ungeschickt angestellt habe, meine sängerischen und tänzerischen Fähigkeiten sind nicht schlechter als die der anderen Männer. Und doch… Die Produktionsassistentin verabschiedet sich nett von mir, während Produktionsleiter und Regie mir nur flüchtig die Hand geben. Vielleicht hat es nichts zu bedeuten, aber  es fühlt sich seltsam an. Mit einem unguten Gefühl im Bauch fahre ich heim.

- das Ergebnis folgt sobald ich es habe -

HFF Workshop: Tag eins, Montag 15.Juni 09

Abgelegt unter: Allgemein — 16. Juni 2009 um 00:14

HFF-Gebäude

Heute morgen um 7 Uhr früh klingelte lautstark der Handywecker meiner Liebsten. Nach nur fünf ganzen Stunden Schlaf fiel es mir besonders schwer die Augen aufzuschlagen bzw offen zu halten. Zudem ist heute Montag und seit Garfield weiß ich, dass Montag morgens keine Zeit gut ist um aufzustehen - und so früh geweckt zu werden vorsätzliche Körperverletzung. Außerdem bringen Montage Unglück und wie um mein Vorurteil zu bestätigen, habe ich in nächtlicher Selbstüberschätzung den Wecker gestellt, bin also selber für die rüde Unterbrechung meines Schlummers verantwortlich. Das war unglücklich, in der Tat. Nun ja, immerhin reicht jetzt die Zeit für ein anständiges Frühstück. Hmm… Oh ja! Und für einen extragroßen Becher starken Milchkaffees! (Und den sogar mit Amarettosirup!!!)

Pünktlich gegen zehn begann dann der Workshop mit Suzanne. Gegen zehn? Nun… Leider ja. Wegen Unterschätzung eines längeren Anfahrtsweges (räusper) kam ich knapp zehn Minuten zu spät - allerdings nicht allein, da zwei weitere Teilnehmer ebenfalls… sagen wir "Startschwierigkeiten" hatten.

Als wir dann endlich komplett sind, sind wir zu fünfzehnt. Acht Männer und sieben Frauen lauschen aufmerksam dem theoretischen Teil von Suzannes Workshop: Charakterisierung der Rolle, need, action, das Ziel und was es kreuzt, die preview circumstances, sowie die Arbeit des Regisseurs mit dem Schauspieler werden besprochen. Vielen der zehn Regiestudenten sagen die uns darstellenden Künstlern geläufigen Begriffe nichts. Einigen wiederum sind der ein oder andere durchaus bekannt. Es ist gemischt. Aber alle sind bemüht und mit Hingabe dabei als es daran geht das erlernte theoretische Wissen auszuprobieren.

Sissi und ich sind die Versuchskaninchen. Um das Prinzip von need und action zu versinnbildlichen, sollen wir eine improvisierte Szene spielen. Mein need und meine action sind: "to fuck" (need) und "to be a daddy"(action); während Sissi einen "Vamp" (action) mit dem need "to have a daddy" spielen soll. Als ich mein need vernehme schießt mir das Blut in die Ohren. Montage… weitere Erläuterungen erübrigen sich. Süfisant, aber ohne es wirklich bösartig zu meinen, kommentiert Suzanne mein sichtliches Unwohlsein mit "Na komm schon, Du weißt doch wie das geht". Eine Anspielung auf Salvatore d'Angeli - aber den kennt hier ja niemand, und ihrem Ausspruch folgt allgemeine Heiterkeit. Dabei leuchtet mein Kopf schon wie eine genmanipulierte Tomate.

Als wäre nichts vorgefallen beschreibt uns Suzanne unseren Spielraum, sowie die Situation. Eine Bar soll es sein. Nach dem dritten Date. Meine Stimmung ist in Erwartung einer Liebesnacht - denn die vorhergegangenen Verabredungen waren sehr teuer gewesen, und meine Libido ist dementsprechend. Sissi allerdings will nicht mit mir ins Bett. Es wäre ja auch zu einfach gewesen. Nein: Sissi will beschützt werden und sucht inbrünstig nach einem Sugardaddy.

So weit, so gut. Wir sitzen in der imaginären Bar und versuchen uns über unser need und unsere action klar zu werden. Ich versuche Sissi unter allen Umständen ins Bett zu bekommen, während Sie alles daran setzt dies nicht geschehen zu lassen. Kurz: In einer Szene ist es das need das bei uns beiden dominiert, in der darauffolgenden die action, und es zeigt sich, dass die Arbeit mit selbigen gar nicht einfach ist.

Nach einer vortrefflichen Portion eines nicht ganz so vortrefflichen Kartoffelsalats (mit Fränkischen Bratwürsten und Krautsalat) ging es in die erste Drehbuchszene des Workshops. Sissi und Fidi spielen ein Paar, dass auf einer gemeinsamen Wanderung um die Beziehung kämpft. Es ist bezeichnend für die nicht vorhandene Streitkultur der Deutschen, dass alle Konflikte, die die Szene interessant gemacht hätten, mit Absicht vermieden wurden. So ist sie zwar ganz nett, aber eben auch langweilig. Das diese Aussage der jungen Autorin und Regisseurin nicht schmeckt ist ebenfalls klar, aber deswegen sind wir ja hier. So sieht die junge Frau mit wachsendem Unmut, wie ihre Szene nach und nach zu einer emotionalen Tragikomödie mutiert, während sie eigentlich nur Tragik und Drama geplant hatte.

Aber Sissi und Fidi gehen in der Improvisation, die der Szene vorangestellt wird, auch in die Vollen. Sie necken sich, streiten, kämpfen, kommen sich nah und weichen einander aus das es eine Freude ist zuzusehen. Die Szene ist lebendig, man sieht das sie sich lieben, auch wenn klar wird, dass ein Konflikt sich anbahnt, dass die Beziehung auf dem Prüfstand steht. Man lacht über Ihn genauso, wie man mit Ihr leidet. Die Drehbuchszene wirkt in ihrem zweiten Anlauf wesentlich authentischer, lebendiger. Es wird nicht mehr "gespielt". Auch wenn das der jungen Regisseurin nicht so ganz mundet.

Alles in allem war der erste Tag spannend, aufschlussreich und, obwohl anstrengend, durchaus befriedigend.

- Fortsetzung folgt -

HFF Workshop

Abgelegt unter: Allgemein — 14. Juni 2009 um 23:39

Höret und staunet: Die HFF, die Hochschule für Film und Fernsehen München, läd morgen zum alljählichen Workshop nach Giesing. Traumhafte Bedingungen um Leute kennen zu lernen, die mit Filmen später einmal ihre Brötchen verdienen wollen. Suzanne Geyer, meine persönliche Koryphäe wenn es ums Schauspiel geht, wird den Workshop leiten. Ich bin gespannt wie fünfzig Regenschirme und vierzig Wiener Schnitzel - und das, obwohl meine gesamte nächste Woche mit dem Workshop verplant ist. Vielleicht bekomme ich durch diese Woche meinen Fuß in die Tür des Münchner Films. Bleibt zu hoffen, dass dieselbe nicht allzu schwer ist, damit mein Fuß, sollte die Tür unerwartet zuschlagen, keine bleibenden Schäden bekommt.

Videos

Abgelegt unter: Allgemein — 10. Juni 2009 um 20:56

Endlich ist es soweit! Nachdem ich schon gar nicht mehr daran geglaubt hatte, hat Felix, mein Freund und Kollege, die gemeinsamen Videos auf youtube hochgeladen. Ein bewegendes, ein einmalig berauschendes Gefühl durchfließt meine Adern: Endlich bin ich youtube!

Besucht http://www.youtube.com/watch?v=XsbAtapnoHI&feature=related für mein großartiges Fernsehdebüt als Teufel bzw Fotograf bei Wunderwelt Wissen

und  http://www.youtube.com/watch?v=oQq4-6i_8jM für den fabelhaften HFF Bewerbungsfilm Nachfolger Paris, London, New York

Wisset:

Abgelegt unter: Allgemein — 8. April 2009 um 18:58

"Ein bescheidenes Ziel kann von höheren Ansprüchen diktiert sein als der Wunsch nach einem großen Erfolg!"

Erich Limpach, 1899 - 1965, deutscher Lyriker und Aphoristiker

So gesehen…

Abgelegt unter: Allgemein — 17. März 2009 um 18:57

Gestern habe ich diese Blogseite erstellt und einen Artikel verfasst. "Wie alles begann…" schildert recht unterhaltsam meine Anfänge als Schauspieler. So gesehen ist diese Notiz hier ziemlich unnötig - den oben steht ja bereits der Titel, auf das Sie ihn entdecken und sich ihn durchlesen. So gesehen.

Andereseits brauche ich auch hier einen Aufhänger, einen Beginn. So gesehen vielleicht doch nicht so unnötig…

…oder?