lichtenstein-roy-1923-1997-usa-m-maybe-he-became-ill-and-coul-1344830.jpg Ich bin sauer. Ein wenig. Nicht viel, denn das würde voraussetzen, dass ich zu viele Erwartungen gehabt hätte. Und jeder Schauspieler weiß, das man in unserem Beruf nichts erwarten kann - außer dem Unerwarteten. Trotzdem: Ich bin sauer! Wenn man nach jeder Audition, jedem Casting den Verantwortlichen hinterher telefonieren muss um zu erfahren ob man den Part bekommen hat oder nicht, dann nervt das.

Und JA! Ich sage das hier ganz offen. Es ärgert mich, wenn man (nachdem man seine Bewerbung abgeschickt, einen Vorsprechtermin bekommen und wahrgenommen hat) tagelang, manchmal wochenlang nichts hört. Klar: In so einem Fall wollen Sie einen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht haben.

Aber wäre es denn zu viel verlangt gewesen eine kurze Absage zu schreiben? Nein! Nein, ich denke nicht. Aber es wäre unangenehm für den Regisseur, Produzenten oder Castingdirektor direkt abzusagen. Ich halte es aber für wichtig abzusagen - auch wenn es unangenehm und vielleicht auch schmerzhaft für den Schauspieler ist. Nach jeder Audition, jedem Vorsprechen komme ich mir wie die Dame auf dem Bild vor: Ich halte meine Hoffnung krampfhaft am köcheln, denn vielleicht wurde die Produktionsassistentin plötzlich über Nacht krank und konnte mir deswegen nicht mitteilen, dass man mich großartig fand und ich die Rolle bekommen habe. Aber das ist Mumpitz!

Besonders talentierte Ausweicher sind Musicalauditions. Man kommt rein, stellt sich der Jury vor, singt sein Lied, spricht seinen Text… und muss dann warten ob man zum tanzen eingeladen wird oder nicht. Wenn nicht, kann man (zum Teil drei Stunden später) wieder nach Hause fahren, hat aber wegen der drei Stunden Wartezeit seinen letzten Zug nach Hause verpasst und muss eine weitere Nacht im Hostel verbringen, weil anscheinend nur die Empfangsdame befugt ist, den Schauspielern zu sagen: "Vielen Dank das Sie da waren - aber: Nein!"

Ich halte nicht viel von Castingformaten wie DSDS oder DAS SUPERTALENT. Aber manchmal wäre es großartig, wenn sich die Theater- und Filmemacher von der Jury eines(!) abschauen könnten: Die direkte Bewertung der dargebrachten Leistung und die Entscheidung, ob jemand auf die Rolle passt - oder eben nicht.

Wenns passt, dann passts - wenn nicht? Passt scho. Ich bin nicht aus Zucker. Keiner von uns Schauspielern ist das.

Vielleicht ist es Bauernfängerei - aber eine durchaus Lohnenswerte.

Bei web.de macht vistaprint seit Jahren Werbung für das "einmalige" Angebot (NUR HEUTE!!!) sich für den unglaublichen Preis von 10€ 500 Visitenkarten machen zu lassen. Das Design kann man (wie hier bei theaterblogs) selber bestimmen - auch Bilder hochladen und einfügen.

Aus einer Laune heraus entschloss ich mich dazu dieses Angebot anzunehmen und designte mir meine eigene Visitenkarte. Das Ergebnis kann sich sehen lassen:

Visitenkarte vorne       Visitenkarte rückseite

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Endlich! Nach zwei Tagen mühevoller Frickelarbeit kann ich jetzt stolz verkünden:

Ich habe eine eigene Homepa…

Ja… Ja, ich… Ja! Ich… JA! ICH WEISS! Es ist ein BLOG.

Aber einer mit Seiten! Und Bildern! Zwei Vitae! Einem Videolink! und allen Informationen, die man als Caster, Regisseur, Theater- oder Filmemacher über mich haben muss.

Deswegen auch "vorläufige" Homepage… Herrschaftszeiten.

Naja: Wenigstens weiß ich jetzt warum Webdesigner so viel Geld verdienen! Selbst mit dem eigentlich Benutzerfreundlichen Programm von theaterblogs, war es verdammt schwer die eigenen Wünsche und Vorstellungen zu realisieren.

Ebbe und Flut.jpg

Es kommt selten vor, das ein Schauspieler die Stille - welche seine Person umgibt - als wohltuend, ja segensreich empfindet.

In den ersten Tagen meines Blogs, habe ich versucht viel zu viel und viel zu genau zu beschreiben. Daran ging die Lust verloren und ab einem gewissen Zeitpunkt auch der Wunsch sich mitzuteilen. Zwei Jahre lang hielt ich daraufhin Blogtechnisch die Klappe - und fand Zeit mich anderen Dingen zu widmen. 2010 dann der Höhepunkt meines bisherigen Lebens: Die Geburt meiner Tochter. Und trotzdem war der Wunsch sich mitzuteilen, sich hier auf diesem Blog mitzuteilen, nicht existent. Es war angenehm zu schweigen. Angenehm, nichts mitteilen zu müssen.

Jetzt, nach zwei Jahren segensreichem Schlaf, hebt der Wunsch wieder den Kopf - und mit ihm kommen die ersten Versuche Anschluss zu finden. So viel ist passiert - was soll man also berichten?

Workshops wurden besucht, Blockaden gelöst, Theater gespielt und Filme gedreht. Dabei wurde gelitten oder gelacht, Regisseure repektvoll "Herr Direktor" genannt, oder als "Dilettant" beschimpft und angeschrien (zu Recht - das eine wie das andere) - der Alltägliche Wahnsinn im Leben eines Schauspielers eben. Nichts was andere Schauspieler nicht kennen würden, auch wenn sie anders gelitten, gelacht oder geschrien hätten.

Was also schreiben: Ausgewähltes? Wieder Alles? Nichts? Der Wunsch ist stark, doch das erlebte Glück ist es auch. Wie Ebbe und Flut wechseln sie sich ab. Heute ist Flut. Gut.

Firmenlogo bei xing

Im Sommer 2008 erfanden Frau Z. und ich unsere eigene Version der Zwillinge Castor und Pollux. Es war die Geburt von "NeueBühneMünchen" und "newARTentertainment", das damals noch "newART-theatre" hieß. Ihr erstes Projekt war die unvergessliche Musicalnight im November 2008 im Theater Heppel und Ettlich. Doch danach wurde es still um die beiden. Ihre Wege trennten sich, kamen wieder zusammen, trennten sich erneut - wie das eben bei Geschwistern so ist. Dieses Jahr im Sommer brachte die "NeueBühneMünchen" Fosse's "Winter" auf die Bühne des "Theater… und so fort". Ein vielversprechender Start, der den anderen wachrütteln sollte - und auch tat.

Doch trotz ihrer beider Streben nach Glück und Erfolg, könnten diese Zwillinge nicht unterschiedlicher sein. newARTentertainment konzentriert sich verstärkt auf die Er-, Be- und Verarbeitung von Drehbüchern und hat sich von dem gemeinsamen Ziel die Bühne zu erobern entfernt. Nichtsdestotrotz ist es offen für die Bühne - auch wenn die Auftragslage rar ist.

Ab heute existiert newARTentertainment als neue Firma bei XING - und ist damit fast schon offiziell.

Wünschen wir ihm Glück und beobachten gespannt welchen Weg es wohl geht…

teatro Zelt

Arrr… Heute morgen fällt mir das Aufwachen besonders schwer. Um sieben Uhr dreißig liege ich immer noch im Bett, obwohl ich eigentlich schon aufgestanden sein sollte. Gegen acht quäle ich mich aus den Decken, dusche, ziehe mich an und trinke einen Kaffee (Der Amarettosirup ist alle - was für eine Welt!). Kurz nach neun verlasse ich das Haus. Meine Gesangslehrerin erwartet mich um viertel vor zehn zum einsingen.

Es fällt mir dieses Mal schwerer als sonst - wie irgendwie alles heute. Es ist, als würde ich mich durch einen sehr zähen Quark bewegen. Es ist anstrengend und frustrierend. Meine Stimme ist nicht so geschmeidig wie sonst. "Der letzte Tanz" macht mir besondere Mühe. "You're timeless to me" geht gerade so, aber es ist nicht das Gleiche. Mein Gesangscoach versucht mir Tipps zu geben, aber alles was sie mir sagt macht die Sache noch verworrener.

Kurz nach elf breche ich zum Recall auf. Ich nehme den Kassettenrecorder mit, damit ich meine Playback-CD's abspielen kann. Wegen der unangenehmen Verwirrungen bin ich auch noch spät dran. Die U-Bahn bringt mich zum Marienplatz. Innerhalb von fünf Minuten renne, nein, fliege ich zum Platzl.  Als die Turmuhr zweimal schlägt erreiche ich die Bar. Sie ist leer. Ein Riesenschreck durchfährt mich, denn ich höre sie im Nebenraum singen. Scheiße! Trotz allergrößter Hast und einer exakt pünktlichen Landung bin ich zu spät. Unsicher betrete ich den Raum, sehe, daß circa zwanzig Leute zum recall eingeladen worden waren - hauptsächlich Frauen. Wir Männer sind in der Unterzahl. Gerade einmal fünf Herren halten sich im Raum auf und mein etwas schweres Herz frohlockt. Der Regisseur winkt mich hinein. Ich geselle mich zu den anderen und sehe, etwas gehetzt aber anwesend, in die Noten. Fast der gesamte Cast des letzten Jahres ist vertreten. Von den Männern fehlen nur  zwei. Der Regisseur  dirigiert den Alt durch seinen Part und kommt zum Tenor. Mein Herz setzt einen Augenblick aus als mir klar wird, das alle anwesenden Männer, einer ausgenommen, Tenöre sind.

Wir singen den Opener der neuen Saison. "Be my guest" aus Disneys "Die Schöne und das Biest". Das Resultat ist, wie immer bei den teatro-Bearbeitungen, sehr komplex und schwierig, dafür aber klanglich traumhaft schön. Eine Soprankollegin, die letztes Jahr noch im Ensemble Frondienst leistete, ist zur Choreographin aufgestiegen und hat sich zur Melodie passend ein paar einfache Tanzschritte ausgedacht. Trotzdem kommen wir ins Stocken als nebenbei noch richtig gesungen werden muss. Naja, zumindest macht die Probe Spaß.

24 Stunden später weiß ich, dass ich dieses Jahr dabei sein werde… Schade.

HFF-Gebäude

Heute morgen um 7 Uhr früh klingelte lautstark der Handywecker meiner Liebsten. Nach nur fünf ganzen Stunden Schlaf fiel es mir besonders schwer die Augen aufzuschlagen bzw offen zu halten. Zudem ist heute Montag und seit Garfield weiß ich, dass Montag morgens keine Zeit gut ist um aufzustehen - und so früh geweckt zu werden vorsätzliche Körperverletzung. Außerdem bringen Montage Unglück und wie um mein Vorurteil zu bestätigen, habe ich in nächtlicher Selbstüberschätzung den Wecker gestellt, bin also selber für die rüde Unterbrechung meines Schlummers verantwortlich. Das war unglücklich, in der Tat. Nun ja, immerhin reicht jetzt die Zeit für ein anständiges Frühstück. Hmm… Oh ja! Und für einen extragroßen Becher starken Milchkaffees! (Und den sogar mit Amarettosirup!!!)

Pünktlich gegen zehn begann dann der Workshop mit Suzanne. Gegen zehn? Nun… Leider ja. Wegen Unterschätzung eines längeren Anfahrtsweges (räusper) kam ich knapp zehn Minuten zu spät - allerdings nicht allein, da zwei weitere Teilnehmer ebenfalls… sagen wir "Startschwierigkeiten" hatten.

Als wir dann endlich komplett sind, sind wir zu fünfzehnt. Acht Männer und sieben Frauen lauschen aufmerksam dem theoretischen Teil von Suzannes Workshop: Charakterisierung der Rolle, need, action, das Ziel und was es kreuzt, die preview circumstances, sowie die Arbeit des Regisseurs mit dem Schauspieler werden besprochen. Vielen der zehn Regiestudenten sagen die uns darstellenden Künstlern geläufigen Begriffe nichts. Einigen wiederum sind der ein oder andere durchaus bekannt. Es ist gemischt. Aber alle sind bemüht und mit Hingabe dabei als es daran geht das erlernte theoretische Wissen auszuprobieren.

Sissi und ich sind die Versuchskaninchen. Um das Prinzip von need und action zu versinnbildlichen, sollen wir eine improvisierte Szene spielen. Mein need und meine action sind: "to fuck" (need) und "to be a daddy"(action); während Sissi einen "Vamp" (action) mit dem need "to have a daddy" spielen soll. Als ich mein need vernehme schießt mir das Blut in die Ohren. Montage… weitere Erläuterungen erübrigen sich. Süfisant, aber ohne es wirklich bösartig zu meinen, kommentiert Suzanne mein sichtliches Unwohlsein mit "Na komm schon, Du weißt doch wie das geht". Eine Anspielung auf Salvatore d'Angeli - aber den kennt hier ja niemand, und ihrem Ausspruch folgt allgemeine Heiterkeit. Dabei leuchtet mein Kopf schon wie eine genmanipulierte Tomate.

Als wäre nichts vorgefallen beschreibt uns Suzanne unseren Spielraum, sowie die Situation. Eine Bar soll es sein. Nach dem dritten Date. Meine Stimmung ist in Erwartung einer Liebesnacht - denn die vorhergegangenen Verabredungen waren sehr teuer gewesen, und meine Libido ist dementsprechend. Sissi allerdings will nicht mit mir ins Bett. Es wäre ja auch zu einfach gewesen. Nein: Sissi will beschützt werden und sucht inbrünstig nach einem Sugardaddy.

So weit, so gut. Wir sitzen in der imaginären Bar und versuchen uns über unser need und unsere action klar zu werden. Ich versuche Sissi unter allen Umständen ins Bett zu bekommen, während Sie alles daran setzt dies nicht geschehen zu lassen. Kurz: In einer Szene ist es das need das bei uns beiden dominiert, in der darauffolgenden die action, und es zeigt sich, dass die Arbeit mit selbigen gar nicht einfach ist.

Nach einer vortrefflichen Portion eines nicht ganz so vortrefflichen Kartoffelsalats (mit Fränkischen Bratwürsten und Krautsalat) ging es in die erste Drehbuchszene des Workshops. Sissi und Fidi spielen ein Paar, dass auf einer gemeinsamen Wanderung um die Beziehung kämpft. Es ist bezeichnend für die nicht vorhandene Streitkultur der Deutschen, dass alle Konflikte, die die Szene interessant gemacht hätten, mit Absicht vermieden wurden. So ist sie zwar ganz nett, aber eben auch langweilig. Das diese Aussage der jungen Autorin und Regisseurin nicht schmeckt ist ebenfalls klar, aber deswegen sind wir ja hier. So sieht die junge Frau mit wachsendem Unmut, wie ihre Szene nach und nach zu einer emotionalen Tragikomödie mutiert, während sie eigentlich nur Tragik und Drama geplant hatte.

Aber Sissi und Fidi gehen in der Improvisation, die der Szene vorangestellt wird, auch in die Vollen. Sie necken sich, streiten, kämpfen, kommen sich nah und weichen einander aus das es eine Freude ist zuzusehen. Die Szene ist lebendig, man sieht das sie sich lieben, auch wenn klar wird, dass ein Konflikt sich anbahnt, dass die Beziehung auf dem Prüfstand steht. Man lacht über Ihn genauso, wie man mit Ihr leidet. Die Drehbuchszene wirkt in ihrem zweiten Anlauf wesentlich authentischer, lebendiger. Es wird nicht mehr "gespielt". Auch wenn das der jungen Regisseurin nicht so ganz mundet.

Alles in allem war der erste Tag spannend, aufschlussreich und, obwohl anstrengend, durchaus befriedigend.

- Fortsetzung folgt -

Leider gibt es bisher nur ein einziges Video von mir im Netz: Hier kann man es sich ansehen.

http://www.youtube.com/watch?v=XsbAtapnoHI&feature=related 

Erster Auftritt       1:50 min - 2:15  min

Zweiter Auftritt     3:35 min - 3:43  min

Dritter Auftritt      7:09 min - 7:57  min

Letzter Auftritt     9:30 min - 10:04 min